Abverkauf im Baumarkt schätzen: Sell-out pro Artikel und Filiale ohne Kassendaten
Von Redaktion watch.diy (Watch AI GmbH) · Veröffentlicht am
Den Abverkauf (Sell-out) eines Artikels pro Baumarkt-Filiale kennt nur der Händler. Hersteller haben drei Quellen, die je einen Teil zeigen: die eigene Fakturierung zeigt den Sell-in, also was an den Händler geliefert wurde, nicht was an Kunden verkauft wurde; die Daten, die der Händler mit Lieferanten teilt (OBI bietet zum Beispiel wöchentlich aktualisierte Abverkaufszahlen über seine Insights-Plattform an), zeigen nur die eigenen Artikel, nie den Wettbewerb; und Marktpanels wie der BHB/GfK Total Store Report zeigen den Gesamtmarkt, aber keine einzelnen Artikel. Eine vierte Quelle ist ein aus dem Filialbestand geschätzter Abverkauf: Er ist keine Kassenzahl, entsteht aber für eigene und Wettbewerbsartikel auf dieselbe Weise und reicht bis auf Filiale und Tag. Pro Markt und Tag sind die Stückzahlen klein, aussagekräftig wird der Abverkauf über Wochen, Regionen und im Vergleich zum Wettbewerb. watch.diy schätzt Stückzahlen und Umsatz pro Artikel, Filiale und Tag aus dem täglich beobachteten Filialbestand in 914 Filialen von Hornbach, OBI, Bauhaus und toom.
Die Frage hinter der Frage
„Wie viel verkauft mein Artikel bei Hornbach?“ klingt nach einer Zahl, ist aber meist eine von drei Fragen: Läuft der Artikel besser oder schlechter als im Vorjahr oder vor der Aktion? Läuft er besser oder schlechter als der Wettbewerb im selben Regal? Und wo läuft er, in welchen Märkten und Regionen? Für alle drei braucht man keinen Kassenbon. Man braucht eine Abverkaufszahl, die für eigene und fremde Artikel gleich zustande kommt, pro Filiale vorliegt und regelmäßig neu ist.
Woher Hersteller Abverkaufszahlen bekommen
| Quelle | Was sie zeigt | Was sie nicht zeigt |
|---|---|---|
| Eigene Fakturierung (Sell-in) | Was der Hersteller an Lager und Märkte des Händlers geliefert hat | Was davon an Endkunden verkauft wurde und wann |
| Daten des Händlers | Abverkauf der eigenen Artikel, je nach Händler und Vereinbarung wöchentlich, teils pro Markt | Die Verkäufe der Wettbewerber; Umfang und Format sind bei jedem Händler anders |
| Marktpanel | Umsatz und Entwicklung des Gesamtmarkts und von Sortimentsbereichen | Einzelne Artikel, einzelne Händler und einzelne Märkte |
| Schätzung aus dem Filialbestand | Geschätzte Stückzahlen pro Artikel, Filiale und Tag, für eigene und Wettbewerbsartikel | Kassengenaue Werte; nicht beobachtete Artikel und Händler |
Sell-in ist nicht Abverkauf
Die eigene Fakturierung kennt jeder Hersteller, sie zeigt aber den Sell-in, nicht den Abverkauf. Vor einer Saison oder einer Aktion füllt der Händler Lager und Märkte, und der Sell-in steigt, lange bevor ein Kunde kauft. Bleibt die Ware stehen, zeigt sich das erst Wochen später an ausbleibenden Nachbestellungen.
Daten des Händlers
Die Händler teilen Abverkaufsdaten mit Lieferanten in unterschiedlichem Umfang. OBI bietet über OBI Advertising zum Beispiel eine Insights-Plattform mit „wöchentlich aktualisierten Abverkaufszahlen aus unseren Märkten und unserem Onlineshop“ an. Für den elektronischen Austausch gibt es mit dem EANCOM-Verkaufsdatenbericht (SLSRPT) einen Standard, der Verkaufsort, Zeitraum, Artikel, Menge und Umsatz enthält. Gemeinsam ist allen Varianten: Sie zeigen die eigenen Artikel, nie die des Wettbewerbs, und jeder Händler liefert in seinem eigenen Format und Rhythmus. Wer bei vier Händlern gelistet ist, hat vier verschiedene Datensätze, die sich schwer nebeneinanderlegen lassen.
Marktpanel
Den Gesamtmarkt beschreibt der BHB auf Basis des BHB/GfK Total Store Report: 20,58 Mrd. Euro Umsatz der Bau- und Heimwerkermärkte in Deutschland 2025, 1,6 % unter Vorjahr. Solche Zahlen sind der Rahmen für die eigene Entwicklung, sagen aber nichts über einen einzelnen Artikel bei einem einzelnen Händler.
Schätzung aus dem Filialbestand
Die Händler zeigen auf ihren Produktseiten die Verfügbarkeit in einem gewählten Markt. Wer diesen Filialbestand für jeden Artikel und jede Filiale regelmäßig beobachtet, kann daraus den Abverkauf schätzen. Das Ergebnis ist eine Schätzung, keine Kassenzahl, aber sie entsteht für alle Artikel auf dieselbe Weise, auch für die des Wettbewerbs. Wie man daraus einen Umsatzanteil bildet, beschreibt der Ratgeber Marktanteil ohne Kassendaten schätzen.
Geschätzten Abverkauf richtig lesen
- Kleine Zahlen pro Markt und Tag: Ein einzelner Artikel verkauft sich in einem einzelnen Baumarkt an den meisten Tagen null-, ein- oder zweimal. Aussagekräftig wird der Abverkauf erst über eine Woche, eine Region oder alle Filialen eines Händlers.
- Vergleich statt Absolutwert: Ob der Abverkauf nach einer Preissenkung, gegenüber dem Vormonat oder gegenüber dem Wettbewerbsartikel steigt, ist robuster als die genaue Stückzahl. Verglichen werden sollten nur Artikel, die in beiden Zeiträumen beobachtet wurden.
- Kein Wert ist nicht null: Fehlt für einen Tag die Datengrundlage, ist der Abverkauf unbekannt, nicht null. Wer die Lücke als null zählt, unterschätzt den Abverkauf.
- Abverkauf braucht Bestand: Ein Artikel, der nicht vorrätig ist, kann nicht verkauft werden. Fällt der Abverkauf, lohnt der Blick auf die Verfügbarkeit: Oft ist es ein Liefer-, kein Nachfrageproblem.
- Bestandsabgang ist nicht immer Verkauf: Inventurkorrekturen, Bruch oder Umlagerungen zwischen Märkten senken den Bestand ebenfalls. Über viele Filialen und Tage gleicht sich das teilweise aus, an einzelnen Tagen kann es verzerren.
Wofür KAMs den geschätzten Abverkauf nutzen
- Aktionen bewerten: Abverkauf in den Wochen vor, während und nach einem Aktionspreis, eigener Artikel neben dem des Wettbewerbs.
- Regionen vergleichen: Wo läuft der Artikel, wo steht er? Das zeigt, ob eine Lücke an der Nachfrage oder an der Distribution liegt.
- Neulistungen verfolgen: Kommt der neue Artikel in den Märkten an, in denen er gelistet ist, und dreht er sich dort?
- Jahresgespräch vorbereiten: Entwicklung des eigenen Abverkaufs gegen die beobachteten Wettbewerber in derselben Kategorie, pro Händler.
Mehr dazu in den Ratgebern Aktionspreise erkennen, Regionale Verfügbarkeit, Neulistung verfolgen und Jahresgespräch vorbereiten. Die Begriffe Abverkauf, Sell-in und Marktanteil erklärt das Glossar.
Was watch.diy zeigt
watch.diy beobachtet den Filialbestand Ihrer Artikel und der Ihrer Wettbewerber täglich in 914 Filialen von Hornbach, OBI, Bauhaus und toom, zusammen mit dem Preis. Daraus schätzt watch.diy die verkauften Stückzahlen und, wo der Preis bekannt ist, den Umsatz pro Artikel, Filiale und Tag, zusammengefasst nach Woche, Region, Händler und Marke. Es sind Schätzungen, keine Kassenzahlen; reicht die Datenlage für einen Tag nicht aus, weist watch.diy keinen Wert aus statt einer Null. Die Daten der Händler ersetzt das nicht, es ergänzt sie um das, was sie nicht zeigen: den Wettbewerb und den Vergleich über alle vier Händler. hagebau und Globus sind in Vorbereitung. Mehr auf der Produktseite, die Konditionen unter Preise.
Diese Daten für Ihre Marke sehen
watch.diy beobachtet Listung, Preis und Filialbestand bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom für Ihre Artikel und die Ihrer Wettbewerber. In einer 30-minütigen Demo sehen Sie Ihre eigenen Daten.
Quellen
- OBI Advertising, Insights Solutions (Stand 17.10.2026): „wöchentlich aktualisierte Abverkaufszahlen aus unseren Märkten und unserem Onlineshop“
- GS1 Germany, EANCOM 2002 Verkaufsdatenbericht (SLSRPT): Verkaufsort, Verkaufsperiode, Produktidentifikation, Verkaufspreis, Menge und Umsatz
- BHB Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, Pressemitteilung Nr. 02/2026 vom 03.03.2026: Markt Deutschland 2025 -1,6 % (20,58 Mrd. Euro), Sortimentsentwicklung, 2.004 Baumärkte
- BHB Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, DIY-Branchenzahlen: Gesamtbruttoumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte in Deutschland 2025 24,67 Mrd. Euro, darin 20,58 Mrd. Euro laut BHB/GfK Total Store Report
- HORNBACH Baumarkt AG, Geschäftsbericht 2025/26 (Stand 28.02.2026): 173 Bau- und Gartenmärkte und drei BODENHAUS-Fachmärkte, davon 100 Standorte in Deutschland
- OBI Corporate, Unternehmensseite: „Alleine in Deutschland mehr als 350 Märkte“
- BAUHAUS AG, Pressemitteilung vom 08.10.2025: „in Deutschland mehr als 160 Fachcentren“
- REWE-ZENTRALFINANZ eG, Finanzbericht 2025 (Konzern-Lagebericht, S. 7): toom Baumarkt und B1 Discount Baumarkt betreiben in Deutschland 267 Märkte, zusätzlich werden 34 Kaufleute und Franchisenehmer beliefert
Filialzahlen nach Angaben der Händler zum jeweils genannten Stand; sie ändern sich durch Eröffnungen, Schließungen und Übernahmen.
Weitere Ratgeber
Begriffe wie Distributionsgrad, OOS-Quote oder Abverkauf erklärt das Glossar DIY-Handel.
- Listungen bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom prüfen: welche Daten es gibt
- Out-of-Stock im Baumarkt messen: Filialbestand statt Abverkaufsdaten
- Preisänderungen im Baumarkt überwachen: manuell, Scraper-API oder spezialisierter Anbieter
- Distribution im Baumarkt messen: numerisch und gewichtet, pro Filiale
- Marktanteil im Baumarkt ohne Kassendaten schätzen: Methoden und Grenzen
- Aktionspreise bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom erkennen
- Jahresgespräch mit dem Baumarkt vorbereiten: welche Daten Hersteller mitbringen
- Auslistungen im Baumarkt früh erkennen: Hornbach, OBI, Bauhaus und toom
- Wettbewerber im Baumarkt beobachten: Listungen, Preise und Verfügbarkeit fremder Marken
- Neulistung im Baumarkt verfolgen: Wann ist der Artikel wirklich in den Filialen?
- Saisonartikel im Baumarkt: Verfügbarkeit in der Saison beobachten
- Preis-, Listungs- und Bestandsdaten für Hersteller: Anbieter für Hornbach, OBI, Bauhaus und toom im Vergleich
- Preisposition im Baumarkt messen: Wo liegt mein Artikel gegenüber dem Wettbewerb?
- Regionale Verfügbarkeit im Baumarkt: Bestand nach Region und Filiale vergleichen
- Baumarkt-Filialen in Deutschland: Wie viele Märkte haben Hornbach, OBI, Bauhaus und toom? (Oktober 2026)
- Baumarkt-Monitor Oktober 2026: Wie oft ändern Baumärkte Preise, und wie verfügbar sind Markenartikel?
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- Distributionsgrad im Baumarkt: Benchmark pro Warengruppe bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom