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Out-of-Stock im Baumarkt messen: Filialbestand statt Abverkaufsdaten

Von Redaktion watch.diy (Watch AI GmbH) · Veröffentlicht am

Kurzantwort

Out-of-Stock (OOS) im Baumarkt misst man am verlässlichsten dort, wo er entsteht: am Bestand der einzelnen Filiale. Die klassische OOS-Quote ist der Anteil nicht verfügbarer Artikel an allen gelisteten Artikeln. Für einen Hersteller sind zwei Kennzahlen pro Artikel aussagekräftiger: Distribution (in wie vielen Filialen ist der Artikel überhaupt vorrätig?) und Verfügbarkeit (wie viel der Öffnungszeit war er dort vorrätig?). Regalbegehungen liefern Stichproben, Panel-Marktforschung Hochrechnungen, und Abverkaufsdaten zeigen ein OOS nur indirekt, als ausbleibenden Verkauf. Die Verfügbarkeit pro Markt zeigen Hornbach, OBI, Bauhaus und toom selbst auf ihren Produktseiten. Beobachtet man sie täglich in jeder Filiale, wie watch.diy (914 Filialen), werden regionale OOS-Muster sichtbar, bevor sie im Quartalsgespräch auftauchen.

Die Kennzahlen: OOS-Quote, Distribution, Verfügbarkeit

Die Out-of-Stock-Quote ist im Handel der Anteil der nicht verfügbaren Artikel an allen gelisteten Artikeln, als Prozentwert. Sie ist eine Kennzahl aus Sicht des Händlers: Wie viele Lücken hat mein Regal?

Ein Hersteller fragt anders herum: Wo fehlt mein Artikel, und wie lange? Dafür taugen zwei Kennzahlen pro Artikel besser:

  • Distribution (Breite): der Anteil der Filialen, in denen der Artikel im betrachteten Zeitraum überhaupt vorrätig war. Ein Artikel mit 70 % Distribution fehlt in drei von zehn Märkten komplett.
  • Verfügbarkeit (Tiefe): der Anteil der Öffnungszeit, in der der Artikel vorrätig war, gemittelt über die Filialen. Sie zeigt Lücken, die nur Stunden oder Tage dauern.

Beide zusammen unterscheiden zwei sehr verschiedene Probleme: einen Artikel, der in vielen Märkten gar nicht steht (ein Listungs- oder Belieferungsthema), und einen Artikel, der überall steht, aber immer wieder leer läuft (ein Nachschubthema).

Methoden im Vergleich

Wie OOS im Baumarkt gemessen werden kann
MethodeWas sie zeigtGrenze
Regalbegehung (Außendienst, Merchandiser)Tatsächlicher Regalzustand, inkl. PlatzierungStichprobe: wenige Märkte, ein Zeitpunkt pro Besuch, personalintensiv
AbverkaufsdatenVerkaufte Menge pro ZeitraumZeigt OOS nur indirekt als ausbleibenden Verkauf; ob die Nachfrage fehlte oder die Ware, bleibt offen
Panel-MarktforschungHochrechnung auf Kategorie- und RegionsebeneKeine einzelne Filiale, meist quartalsweise
Filialbestand, beobachtet von einem spezialisierten AnbieterVerfügbarkeit und Distribution pro Artikel, Filiale und Tag, mit VerlaufBildet den Systembestand des Händlers ab, nicht das Regal (z. B. Ware im Lager)

Warum Abverkaufsdaten OOS nicht direkt zeigen

Ein Tag ohne Verkauf kann zwei Ursachen haben: Niemand wollte den Artikel, oder er war nicht da. In den Abverkaufsdaten sehen beide gleich aus. Erst der Bestand trennt sie: Steht er bei null, war es ein OOS; steht er bei 20 Stück, lag es an der Nachfrage. Umgekehrt lässt sich aus einer Folge von Bestandsständen ein Verkauf ableiten, wenn der Bestand ohne Wareneingang sinkt.

Systembestand ist nicht gleich Regal

Die Bestände auf den Händler-Webseiten kommen aus der Warenwirtschaft des Händlers. Ein Artikel kann laut System vorrätig sein und trotzdem nicht im Regal stehen, etwa weil er noch im Lager liegt oder falsch einsortiert ist. Für diese Fälle bleibt die Regalbegehung die einzige Methode. Für die Frage „wo fehlt mein Artikel systematisch?“ ist der Systembestand aber die breiteste verfügbare Quelle, weil er für jeden Markt gleichzeitig vorliegt.

Was Hornbach, OBI, Bauhaus und toom pro Markt zeigen

Alle vier Händler zeigen auf ihren Produktseiten die Verfügbarkeit in einem gewählten Markt. Hornbach nennt dabei die Stückzahl („20 ST im Markt vorrätig“), OBI zeigt die Verfügbarkeit im unter „Mein Markt“ gewählten Markt, Bauhaus die „Verfügbarkeit oder Reservierbarkeit“ in den Fachcentren. Bei toom beziehen sich die angegebenen Verfügbarkeiten laut Produktseite auf den unter „Mein Markt“ ausgewählten Baumarkt. Die Zahl der Märkte, über die sich diese Angaben erstrecken, ist groß: Hornbach hat nach eigenen Angaben 100 Standorte in Deutschland, OBI mehr als 350, Bauhaus mehr als 160, toom zusammen mit B1 Discount Baumarkt 267. Insgesamt zählt der Branchenverband BHB für 2025 2.004 Baumarkt-Standorte in Deutschland.

Regionale OOS-Muster erkennen

Ein einzelner leerer Markt ist Rauschen. Interessant wird OOS, wenn es sich häuft: in einer Region, bei einem Händler, nach einem Aktionsstart. Solche Muster zeigen sich erst, wenn man den Bestand aller Filialen nebeneinanderlegt und über Wochen verfolgt:

  • Nach Region: Fehlt der Artikel gehäuft in einem Bundesland oder Postleitzahlgebiet, deutet das oft auf ein Belieferungsthema hin, etwa ein Verteilzentrum.
  • Nach Händler: Fehlt er bei einem Händler deutlich öfter als bei den anderen, ist das ein konkreter Punkt fürs Gespräch mit diesem Händler.
  • Nach Zeit: Läuft er nach jeder Aktion leer und erholt sich erst nach Tagen, war die Aktionsmenge zu knapp geplant.

Wie watch.diy Out-of-Stock misst

watch.diy beobachtet den Filialbestand Ihrer Artikel und der Ihrer Wettbewerber bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom täglich für 914 Filialen deutschlandweit. Daraus entstehen Distribution und Verfügbarkeit pro Artikel, Filiale und Tag. Häufen sich OOS-Signale regional, meldet watch.diy den Cluster, mit Historie: wie oft, wie lange, in welcher Region. Mehr dazu auf der Produktseite.

Verwandte Ratgeber: Listungen bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom prüfen, Distribution im Baumarkt messen und Preisänderungen im Baumarkt überwachen. Wie man Out-of-Stock in der Gartensaison und bei Hitze im Blick behält, steht in Saisonartikel im Baumarkt. Welche Filialen der Außendienst bei Lücken zuerst besuchen sollte, steht in Außendienst im Baumarkt steuern.

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Quellen

  1. Munz-LDB, Logistik-Lexikon: Out-of-Stock-Quote
  2. TUP, Logistik-Know-how: Out-of-Stock, Messverfahren
  3. HORNBACH Baumarkt AG, Geschäftsbericht 2025/26 (Stand 28.02.2026): 173 Bau- und Gartenmärkte und drei BODENHAUS-Fachmärkte, davon 100 Standorte in Deutschland
  4. OBI Corporate, Unternehmensseite: „Alleine in Deutschland mehr als 350 Märkte“
  5. BAUHAUS AG, Pressemitteilung vom 08.10.2025: „in Deutschland mehr als 160 Fachcentren“
  6. REWE-ZENTRALFINANZ eG, Finanzbericht 2025 (Konzern-Lagebericht, S. 7): toom Baumarkt und B1 Discount Baumarkt betreiben in Deutschland 267 Märkte, zusätzlich werden 34 Kaufleute und Franchisenehmer beliefert
  7. BHB Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, Jahrespressekonferenz 2026: 2.004 Baumarkt-Standorte in Deutschland 2025 (Quelle gemaba)
  8. OBI Marktseite (Beispiel Waldshut-Tiengen), FAQ und Fußnote zu Verfügbarkeit und Marktpreis
  9. toom Produktseite (Beispiel, Stand 16.10.2026): „Die angegebenen Verfügbarkeiten beziehen sich auf den unter ‚Mein Markt‘ ausgewählten toom Baumarkt“

Filialzahlen nach Angaben der Händler zum jeweils genannten Stand; sie ändern sich durch Eröffnungen, Schließungen und Übernahmen.

Weitere Ratgeber

Begriffe wie Distributionsgrad, OOS-Quote oder Abverkauf erklärt das Glossar DIY-Handel.