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Marktanteil im Baumarkt ohne Kassendaten schätzen: Methoden und Grenzen

Von Redaktion watch.diy (Watch AI GmbH) · Veröffentlicht am

Kurzantwort

Ohne Kassendaten lässt sich der Marktanteil im Baumarkt nur schätzen, aber die Schätzung kann gut genug sein, um Entwicklungen und Wettbewerber zu vergleichen. Es gibt drei Stufen: Der Sortimentsanteil zählt, wie viele Artikel einer Marke ein Händler in einer Kategorie führt. Die Distribution zeigt, in wie vielen Filialen diese Artikel vorrätig sind. Am nächsten an echte Verkäufe kommt ein Abverkauf, der aus den Bestandsveränderungen pro Filiale abgeleitet wird: Sinkt der Bestand ohne Wareneingang, wurde verkauft. Mit dem Preis multipliziert ergibt das einen geschätzten Umsatz und damit einen Umsatzanteil. Die Grenzen: Der Anteil gilt nur für die beobachteten Artikel und Händler, nicht der ganze Markt; Inventurkorrekturen oder Schwund sehen aus wie Verkäufe; und der Bestand im System ist nicht immer der im Regal. Für den Gesamtmarkt bleiben Panel-Daten die Referenz, der BHB beziffert den Bruttoumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte in Deutschland für 2025 auf 24,67 Mrd. Euro. watch.diy schätzt Abverkauf und Umsatzanteil pro Marke und Händler aus dem täglich beobachteten Filialbestand in 914 Filialen von Hornbach, OBI, Bauhaus und toom.

Warum Hersteller keine Kassendaten haben

Der Marktanteil einer Marke ist ihr Umsatz geteilt durch den Umsatz der Kategorie. Den Umsatz an der Kasse kennt nur der Händler. Hornbach, OBI, Bauhaus und toom teilen Abverkaufsdaten mit Lieferanten in unterschiedlichem Umfang, je nach Händler und Vereinbarung, und in keinem Fall die Verkäufe der Wettbewerber. Öffentlich sind nur Gesamtzahlen: Der BHB beziffert den Bruttoumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte in Deutschland für 2025 auf 24,67 Mrd. Euro, darin 20,58 Mrd. Euro aus dem BHB/GfK Total Store Report. Eine Aufteilung nach Marke oder Artikel enthält diese Zahl nicht.

Wer trotzdem wissen will, wie sich die eigene Marke im Vergleich zum Wettbewerb entwickelt, muss den Anteil aus dem ableiten, was die Händler öffentlich zeigen: Sortiment, Preis und Verfügbarkeit pro Markt.

Drei Näherungen, von grob bis genau

Marktanteil ohne Kassendaten: Näherungen
NäherungWas sie misstWas sie nicht zeigt
SortimentsanteilAnteil der Artikel einer Marke an allen Artikeln einer Kategorie im Sortiment eines HändlersOb die Artikel in den Märkten stehen und ob sie sich verkaufen
DistributionsanteilIn wie vielen Filialen die Artikel einer Marke vorrätig sind, im Vergleich zum WettbewerbWie viel verkauft wird; ein Artikel kann überall stehen und sich kaum drehen
Abverkauf aus BestandsveränderungenGeschätzte Stückzahlen und, mit dem Preis, Umsatz pro Artikel, Filiale und TagAlles, was nicht beobachtet wird: andere Händler, andere Kanäle, nicht beobachtete Artikel

1. Sortimentsanteil

Der einfachste Wert: Man zählt in einer Kategorie im Onlineshop eines Händlers, wie viele Artikel von welcher Marke stammen. Das zeigt, wie viel Platz der Händler einer Marke im Sortiment gibt, und ist ein guter Frühindikator für Ein- und Auslistungen. Für den Umsatz sagt es wenig: Ein Bestseller und ein Nischenartikel zählen gleich.

2. Distributionsanteil

Besser ist es, jeden Artikel mit der Zahl der Filialen zu gewichten, in denen er vorrätig ist. Wie man das misst, beschreibt der Ratgeber Distribution im Baumarkt messen. Der Distributionsanteil zeigt, wer im Regal präsent ist. Ob dort auch gekauft wird, zeigt er nicht.

3. Abverkauf aus Bestandsveränderungen

Die Händler zeigen auf ihren Produktseiten die Verfügbarkeit in einem gewählten Markt, teils mit Stückzahl. Beobachtet man diesen Bestand für jeden Artikel und jede Filiale wiederholt, ergibt sich ein Verlauf. Sinkt der Bestand zwischen zwei Messungen, wurde verkauft (oder abgeschrieben); steigt er, kam ein Wareneingang. Die Summe der Abgänge ist ein geschätzter Abverkauf in Stück, multipliziert mit dem Preis ein geschätzter Umsatz. Teilt man den Umsatz einer Marke durch den aller beobachteten Marken einer Kategorie, erhält man einen Umsatzanteil, der echten Kassendaten am nächsten kommt.

Die Grenzen, ehrlich benannt

Ein aus Bestandsdaten geschätzter Marktanteil ist kein Kassenumsatz. Wer ihn nutzt, sollte diese Grenzen kennen und im Gespräch mit dem Händler offen nennen:

  • Nur der beobachtete Ausschnitt: Der Anteil bezieht sich auf die beobachteten Artikel und Händler. Ein Anteil „bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom“ ist kein Anteil am gesamten deutschen DIY-Markt, zu dem laut BHB 2.004 Baumarkt-Standorte und weitere Vertriebswege gehören.
  • Abgang ist nicht gleich Verkauf: Inventurkorrekturen, Bruch, Schwund oder Umlagerungen zwischen Märkten senken den Bestand wie ein Verkauf. Über viele Filialen und Tage gleichen sich solche Effekte teilweise aus, einzelne Tage können sie verzerren.
  • Lücken zwischen Messungen: Wird zwischen zwei Messungen verkauft und nachgefüllt, sieht man nur die Differenz. Je seltener gemessen wird, desto stärker wird der Abverkauf unterschätzt. Lange Lücken sollten deshalb keinen Wert ergeben statt eines zu niedrigen.
  • Systembestand, nicht Regal: Die Angabe kommt aus der Warenwirtschaft. Ware im Lager oder ein falscher Bestand im System erscheinen als vorrätig.
  • Preis zum Verkaufszeitpunkt: Der Umsatz ist nur so genau wie der Preis, mit dem multipliziert wird. In Aktionen oder bei abweichenden Marktpreisen kann er vom tatsächlichen Kassenpreis abweichen.

Für den Gesamtmarkt über alle Vertriebswege bleiben Panel- und Handelsdaten die Referenz. Der Vorteil der Bestandsmethode liegt woanders: Sie ist für eigene und für Wettbewerbsartikel gleich, reicht bis auf die einzelne Filiale und den einzelnen Tag und zeigt Veränderungen, ohne auf einen Quartalsbericht zu warten.

Wofür der geschätzte Anteil im KAM-Alltag reicht

  • Entwicklung statt Absolutwert: Ob der eigene Anteil in einer Kategorie bei einem Händler steigt oder fällt, ist robuster als die genaue Prozentzahl.
  • Vergleich zwischen Händlern: Wächst die Marke bei einem Händler und verliert beim anderen, ist das ein konkreter Gesprächsanlass.
  • Wirkung von Aktionen: Ein Preisrückgang beim Wettbewerber, gefolgt von einem sinkenden eigenen Abverkauf, lässt sich mit Datum belegen.
  • Ursache Verfügbarkeit: Fällt der Anteil, weil der Artikel nicht verfügbar war? Dann ist es ein Lieferproblem, kein Nachfrageproblem.

Wie watch.diy Marktanteile schätzt

watch.diy beobachtet den Filialbestand Ihrer Artikel und der Ihrer Wettbewerber täglich in 914 Filialen von Hornbach, OBI, Bauhaus und toom, zusammen mit dem Preis. Daraus leitet watch.diy verkaufte Stückzahlen und Umsatz pro Artikel, Filiale und Tag ab und weist den Umsatzanteil pro Marke, Händler und Kategorie aus. Veränderungen werden nur über Artikel verglichen, die in beiden Zeiträumen beobachtet wurden. Reicht die Datenlage für einen Tag nicht aus, weist watch.diy keinen Wert aus statt einer Null. hagebau und Globus sind in Vorbereitung. Mehr auf der Produktseite, die Konditionen unter Preise.

Verwandte Ratgeber: Distribution im Baumarkt messen, Out-of-Stock im Baumarkt messen und, für Stückzahlen pro Artikel und Filiale, Abverkauf im Baumarkt schätzen.

Diese Daten für Ihre Marke sehen

watch.diy beobachtet Listung, Preis und Filialbestand bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom für Ihre Artikel und die Ihrer Wettbewerber. In einer 30-minütigen Demo sehen Sie Ihre eigenen Daten.

Quellen

  1. BHB Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, DIY-Branchenzahlen: Gesamtbruttoumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte in Deutschland 2025 24,67 Mrd. Euro, darin 20,58 Mrd. Euro laut BHB/GfK Total Store Report
  2. BHB Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, Jahrespressekonferenz 2026: 2.004 Baumarkt-Standorte in Deutschland 2025 (Quelle gemaba)
  3. HORNBACH Baumarkt AG, Geschäftsbericht 2025/26 (Stand 28.02.2026): 173 Bau- und Gartenmärkte und drei BODENHAUS-Fachmärkte, davon 100 Standorte in Deutschland
  4. OBI Corporate, Unternehmensseite: „Alleine in Deutschland mehr als 350 Märkte“
  5. BAUHAUS AG, Pressemitteilung vom 08.10.2025: „in Deutschland mehr als 160 Fachcentren“
  6. REWE-ZENTRALFINANZ eG, Finanzbericht 2025 (Konzern-Lagebericht, S. 7): toom Baumarkt und B1 Discount Baumarkt betreiben in Deutschland 267 Märkte, zusätzlich werden 34 Kaufleute und Franchisenehmer beliefert
  7. OBI Marktseite (Beispiel Waldshut-Tiengen), FAQ und Fußnote zu Verfügbarkeit und Marktpreis

Filialzahlen nach Angaben der Händler zum jeweils genannten Stand; sie ändern sich durch Eröffnungen, Schließungen und Übernahmen.

Weitere Ratgeber

Begriffe wie Distributionsgrad, OOS-Quote oder Abverkauf erklärt das Glossar DIY-Handel.