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Distribution im Baumarkt messen: numerisch und gewichtet, pro Filiale

Von Redaktion watch.diy (Watch AI GmbH) · Veröffentlicht am

Kurzantwort

Distribution im Baumarkt misst, in wie vielen Filialen eines Händlers ein Artikel tatsächlich erhältlich ist. Die numerische Distribution ist der Anteil der Filialen, die den Artikel führen, an allen Filialen, die ihn führen könnten: Steht ein Artikel in 180 von 358 OBI-Märkten, liegt sie bei rund 50 %. Die gewichtete Distribution gewichtet jede Filiale mit ihrem Umsatz in der Warengruppe und zeigt, welchen Teil des Marktes der Artikel erreicht; dafür braucht man Umsatzzahlen pro Filiale, die Händler nicht veröffentlichen. Entscheidend ist, was „führen“ heißt: Eine Listung im Sortiment sagt nicht, dass der Artikel im Markt vorrätig ist. Belastbar ist deshalb die Distribution auf Basis des Filialbestands, gemessen über einen Zeitraum und für jede Filiale einzeln. watch.diy beobachtet den Filialbestand täglich in 914 Filialen von Hornbach, OBI, Bauhaus und toom und weist Distribution pro Artikel, Händler und Zeitraum aus.

Numerische und gewichtete Distribution

Der Distributionsgrad ist nach dem Gabler Wirtschaftslexikon der Quotient aus der Anzahl der Einkaufsstätten, die ein Produkt tatsächlich anbieten, und der Anzahl der Einkaufsstätten, die es anbieten könnten. In der Praxis werden zwei Varianten unterschieden:

  • Numerische Distribution: Filialen, die den Artikel führen, geteilt durch alle Filialen, die ihn führen könnten. Jede Filiale zählt gleich viel. Steht ein Artikel in 120 von 167 Bauhaus-Fachcentren, liegt sie bei rund 72 %.
  • Gewichtete Distribution: Dieselbe Rechnung, aber jede Filiale zählt mit ihrem Umsatz in der Warengruppe. Steht der Artikel vor allem in großen Märkten, ist die gewichtete Distribution höher als die numerische. Sie beantwortet die Frage: Welchen Teil der Nachfrage in der Kategorie erreicht der Artikel?

Für einen Key Account Manager ist die numerische Distribution die Kennzahl, die sich direkt mit dem Händler besprechen lässt („in 47 Ihrer Märkte fehlt der Artikel“). Die gewichtete Distribution braucht Umsätze pro Filiale und Warengruppe. Die veröffentlichen Hornbach, OBI, Bauhaus und toom nicht; sie stehen nur dem Händler selbst und Panel-Anbietern zur Verfügung, mit denen er zusammenarbeitet.

Die richtige Basis: welche Filialen zählen?

Der Nenner entscheidet über das Ergebnis. Die vier großen Ketten nennen für Deutschland diese Größenordnungen:

Märkte in Deutschland nach Angaben der Händler
HändlerMärkte in DeutschlandStand und Quelle
Hornbach100 StandorteGeschäftsbericht 2025/26, Stand 28.02.2026
OBImehr als 350 MärkteOBI Corporate; europaweit 647, davon 132 von Franchisepartnern (31.12.2025)
Bauhausmehr als 160 FachcentrenPressemitteilung vom 08.10.2025
toom267 Märkte (toom Baumarkt und B1 Discount Baumarkt)REWE-Finanzbericht 2025; zusätzlich 34 belieferte Kaufleute und Franchisenehmer

Daraus folgen drei Entscheidungen, bevor man die erste Zahl ausrechnet:

  • Alle Märkte oder nur die, für die der Artikel vorgesehen ist? Ein Artikel, der laut Jahresvereinbarung nur in großen Märkten stehen soll, hat bezogen auf alle Märkte eine niedrige Distribution, bezogen auf seine Zielmärkte vielleicht eine volle. Beide Zahlen sind richtig, sie beantworten verschiedene Fragen.
  • Franchise- und Partnermärkte: Bei OBI und toom werden Märkte auch von Franchisepartnern oder selbständigen Kaufleuten betrieben. Ob sie mitzählen, sollte festgelegt und über die Zeit gleich gehalten werden.
  • Eröffnungen und Schließungen: Der BHB zählt für 2025 2.004 Baumarkt-Standorte in Deutschland, 26 weniger als im Vorjahr. Wer Distribution über Monate vergleicht, sollte die Filialliste mitführen, sonst verschiebt eine Schließung die Quote, ohne dass sich am Artikel etwas geändert hat.

Was heißt „führt den Artikel“?

Der häufigste Fehler ist, Listung mit Distribution gleichzusetzen. Ein Artikel kann im Sortiment eines Händlers gelistet sein und trotzdem in vielen Märkten nicht stehen: weil er dort nie eingeräumt wurde, weil er ausverkauft ist oder weil die Filiale ihn aus dem Regal genommen hat. Für die Messung gibt es drei Definitionen, von schwach bis streng:

Drei Definitionen von „führt den Artikel“
DefinitionWas sie misstGrenze
Im Sortiment gelistetDer Händler hat den Artikel aufgenommenSagt nichts über einzelne Märkte
An einem Stichtag vorrätigBestand größer null in der Filiale zu einem ZeitpunktEine kurze Lücke am Stichtag drückt die Quote, obwohl der Artikel regulär geführt wird
Im Zeitraum vorrätigBestand größer null in der Filiale mindestens einmal im Zeitraum (z. B. eine Woche)Braucht wiederholte Messungen pro Filiale

Die dritte Definition ist die robusteste: Sie trennt einen Artikel, der in einem Markt gar nicht geführt wird, von einem, der dort nur kurz ausverkauft war. Für das zweite Problem gibt es eine eigene Kennzahl, die Verfügbarkeit (wie viel der Zeit war der Artikel vorrätig?). Mehr dazu im Ratgeber Out-of-Stock im Baumarkt messen.

Woher die Daten kommen

Außendienst und Regalbegehung

Der Außendienst sieht das Regal selbst, inklusive Platzierung und Facings. Für eine Distributionsquote über alle Märkte reicht das selten: Bei rund 900 Märkten der vier großen Ketten kommt eine Begehung pro Markt und Quartal schon an die Grenze eines großen Außendienstes, und das Ergebnis ist eine Momentaufnahme.

Händlerdaten

Händler teilen Abverkaufs- und Bestandsdaten mit Lieferanten in unterschiedlichem Umfang, je nach Händler und Vereinbarung. Wo sie vorliegen, sind sie die genaueste Quelle für die eigenen Artikel. Wettbewerbsartikel enthalten sie nicht.

Öffentlicher Filialbestand

Hornbach, OBI, Bauhaus und toom zeigen auf ihren Produktseiten die Verfügbarkeit in einem gewählten Markt, Hornbach auch mit Stückzahl. Das ist dieselbe Information für eigene und für Wettbewerbsartikel. Für jeden Markt wiederholt beobachtet, ergibt sie eine Distribution pro Artikel, Händler und Region, die sich direkt mit der des Wettbewerbs vergleichen lässt. Die Grenze: Die Angabe kommt aus der Warenwirtschaft des Händlers. Liegt der Artikel im Lager statt im Regal, zählt er trotzdem als vorrätig.

Was die Distribution im Jahresgespräch zeigt

  • Lücken nach Händler: Dieselbe Neuheit erreicht bei einem Händler 80 % der Märkte, beim anderen 40 %. Das ist eine konkrete Frage für das nächste Gespräch.
  • Lücken nach Region: Fehlt der Artikel gehäuft in einer Region, liegt die Ursache oft in der Belieferung oder in einer regionalen Sortimentsentscheidung.
  • Entwicklung nach einer Neulistung: Wie schnell steigt die Distribution in den ersten Wochen, und wo bleibt sie stehen?
  • Vergleich mit dem Wettbewerb: Hat der Wettbewerbsartikel im selben Regal eine höhere Distribution, ist das ein Argument für mehr Fläche oder eine Aktion.

Wie watch.diy Distribution ausweist

watch.diy beobachtet den Filialbestand Ihrer Artikel und der Ihrer Wettbewerber täglich in 914 Filialen von Hornbach, OBI, Bauhaus und toom. Distribution ist dort der Anteil der beobachteten Filialen, in denen ein Artikel im gewählten Zeitraum vorrätig war, daneben die Verfügbarkeit als Anteil der Zeit. Beides gibt es pro Artikel, Händler und Region und im Verlauf. Eine gewichtete Distribution mit Filialumsätzen des Händlers bietet watch.diy nicht an, weil diese Umsätze nicht öffentlich sind. Mehr auf der Produktseite und zu den einzelnen Händlern unter Händler.

Den Nenner, also wie viele Filialen jeder Händler hat, zeigt Baumarkt-Filialen in Deutschland; welcher Distributionsgrad je Warengruppe üblich ist, zeigt der Distributionsgrad-Benchmark pro Warengruppe. Verwandte Ratgeber: Regionale Verfügbarkeit im Baumarkt, Marktanteil im Baumarkt ohne Kassendaten schätzen und Listungen bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom prüfen.

Diese Daten für Ihre Marke sehen

watch.diy beobachtet Listung, Preis und Filialbestand bei Hornbach, OBI, Bauhaus und toom für Ihre Artikel und die Ihrer Wettbewerber. In einer 30-minütigen Demo sehen Sie Ihre eigenen Daten.

Quellen

  1. Gabler Wirtschaftslexikon (Prof. Dr. Peter Kenning): Distributionsgrad
  2. Wikipedia: Distributionsgrad (numerisch, gewichtet, numerisch gewichtet; Formeln und Beispiele)
  3. HORNBACH Baumarkt AG, Geschäftsbericht 2025/26 (Stand 28.02.2026): 173 Bau- und Gartenmärkte und drei BODENHAUS-Fachmärkte, davon 100 Standorte in Deutschland
  4. OBI Corporate, Unternehmensseite: „Alleine in Deutschland mehr als 350 Märkte“
  5. OBI Nachhaltigkeitserklärung 2025 (Stichtag 31.12.2025): 647 Märkte in Europa, davon 132 von Franchisepartnern betrieben
  6. BAUHAUS AG, Pressemitteilung vom 08.10.2025: „in Deutschland mehr als 160 Fachcentren“
  7. REWE-ZENTRALFINANZ eG, Finanzbericht 2025 (Konzern-Lagebericht, S. 7): toom Baumarkt und B1 Discount Baumarkt betreiben in Deutschland 267 Märkte, zusätzlich werden 34 Kaufleute und Franchisenehmer beliefert
  8. BHB Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, Jahrespressekonferenz 2026: 2.004 Baumarkt-Standorte in Deutschland 2025 (Quelle gemaba)
  9. OBI Marktseite (Beispiel Waldshut-Tiengen), FAQ und Fußnote zu Verfügbarkeit und Marktpreis

Filialzahlen nach Angaben der Händler zum jeweils genannten Stand; sie ändern sich durch Eröffnungen, Schließungen und Übernahmen.

Weitere Ratgeber

Begriffe wie Distributionsgrad, OOS-Quote oder Abverkauf erklärt das Glossar DIY-Handel.